Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel

16. Juli 2019 1 Von Pia

Rückblick von Pia
Das Gefühl, dass wir nun am Ende unserer Afrikatour angekommen sind ist schon etwas komisch, da es mir noch so weit weg erschien. Doch die Zeit verging wie im Flug und wenn ich zurückblicke, bin ich wirklich stolz auf alles was wir erleben duften und geschafft haben. Hinter uns liegen 7 aufregende Monate und 10 verschiedene Länder Afrikas. In jedem Land trafen wir auf neue Leute, Landschaften und Herausforderungen. Wenn ich heute an Afrika denke, habe ich nicht mehr die Vorstellung von ausgetrockneten Savannen mit Zebra Herden und Menschen, die lediglich mit Lederschürzen herumlaufen.
Es ist viel mehr als das! Nicht nur, dass Afrika schon lange nicht mehr so zurück gebelieben ist, wie es immer dargestellt wird, auch die Landschaften sind viel facettenreicher, als man sich den Kontinent vorstellt. Die Strände mit Kokosnusspalmen und glasklarem Wasser in Kenia oder Mosambik, die beeindruckenden Berglandschaften in Tansania und Südafrika, die Tierwelt in Botswana oder das unberührte Namibia sind nur ein kleiner Teil von dem, was Afrika meiner Meinung nach wirklich ausmacht.
Ich konnte mir durch unsere Tour, die nicht nur durch die Touristischen Zentren führte, eine ganz eigene Vorstellung und Meinung bilden. Zwar sind einige Länder um einiges fortschrittlicher als wahrscheinlich vor 20 Jahren, mit europäischem Standard kann man allerdings, wenn überhaupt, nur Südafrika vergleichen. Arbeitslosigkeit und Armut zählen weiterhin zu großen Problemen. Und trotzdem begegnen einem die meisten Menschen, welche zum Teil lediglich in einer Hütte aus Palmen und Holtz, ohne Strom und jeglichen Komfort leben, mit einer unglaublichen Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Es gibt aber natürlich auch Menschen, die auf unser Wohlhaben, das Leben in Deutschland und auch unsere Hautfarbe neidisch sind. Wir mussten uns daran gewöhnen, dass man als Mensch mit heller Haut, grundsätzlich als wohlhabend gilt und für viele ein Dollarzeichen auf der Stirn trägt. Dies ist verständlich in Ländern, in denen das Monatsgehalt durchschnittlich 100 Euro beträgt, doch da wir natürlich auch nicht so viel Geld haben, dass wir jedem helfen können waren die Bitten um Geld, Nahrung oder Wasser oftmals anstrengend oder einfach gesagt nervig, auch wenn wir den Leuten gerne geholfen hätten. Dieses aufdringliche Betteln und die enormen Gegensätze zwischen Arm und Reich waren wir so aus Europa nicht gewohnt.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die 7 Monate ausschließlich toll und problemfrei waren. Doch letztendlich überwiegen die schönen Erinnerungen und Erfahrungen, die wir sammeln konnten.
Auf unserer Reise haben wir nicht nur neuen Landschaften, Orte und Menschen kennengelernt, sondern auch man selbst lernt sich viel besser kennen und man wird sich bewusst, was einem selbst wichtig ist und was man mit seinem Leben eigentlich machen möchte. Zudem wurde mir hier erst so richtig klar, wie schön es eigentlich zuhause ist. Das soll nicht heißen, dass ich jeden Tag Heimweh hatte, sondern mir ist mittlerweile bewusst, in welchem Luxus ich in Deutschland lebe. Damit meine ich nicht viele Klamotten zu besitzen oder ein teures Auto zu fahren. Ich meine die ganz alltäglichen Dinge, wie ein festes Dach über dem Kopf, fließendes Wasser, ein Einkaufslanden um die Ecke oder das ich relativ bedenkenlos bei Dunkelheit durch die Stadt laufen kann und mein Haus nicht von einer Mauer mit Elektrozaun umgeben ist. Das und vieles mehr empfand ich, bevor ich in Afrika war, wo das alles nicht so ganz selbstverständlich ist, als völlig belanglos. Im Gegensatz dazu merkt man außerdem, wie viele unnötige Dinge man Besitzt, die man eigentlich überhaupt nicht braucht. Wenn man sieht, wie glücklich die Kinder hier mit ihren aus altem Schrott zusammengebauten Spielzeugen sind, ist einem unser Konsumverhalten zuhause fast peinlich.
Felix und ich haben gelernt, mit viel weniger klar zu kommen. In unserem Camper hatten wir zwar immer noch mehr Luxus als viele der Einheimischen, doch mit unserem gewohnten Umfeld konnte man die 10qm nicht vergleichen. Wir hatten keinen Fernseher und kein WLAN, was für unsere Generation eigentlich überlebenswichtig zu sein scheint. Und siehe da, wir haben es überlebt! Wir hatten keine Spül-oder Waschmaschine, keinen Backofen und oft nicht mal ein richtiges Klo oder eine Dusche und trotzdem waren wir glücklich. Auch wenn es manchmal anstrengend war, nie wirklich Zeit für sich selbst zu haben und immer zu zweit zu sein, ohne richtigen Rückzugsort, hat sich an unserer Beziehung nichts geändert. Wir arbeiten als Team, können uns aufeinander verlassen und finden für jedes Problem eine Lösung.

Jetzt hoffe ich aber, dass es in der nächsten Zeit keine Probleme zu lösen gibt und freue mich unglaublich auf den nächsten Abschnitt unserer Reise.