Die Schattenseiten Afrikas

Die Schattenseiten Afrikas

28. Mai 2019 4 Von Pia

28.05.2019

Leider können wir nicht immer nur gutes über unsere Zeit in Afrika berichten. Dadurch, dass wir uns meistens auf gut ausgestatteten und bewachten Campingplätzen befinden vergisst man gerne für einen kurzen Moment, dass man in einem viel ärmeren Land als Deutschland ist, in dem einige Dinge anders laufen. Unzählige Menschen haben keine Arbeit oder verdienen nicht genügend Geld, um ihre Familie ernähren zu können. Tausende Menschen leben unter einfachsten Bedingungen in heruntergekommenen Slams. Viele haben nicht nur ein Alkoholproblem, sondern konsumieren in Unmengen des hier legalen Marihuanas. Durch veraltete Familientraditionen und unzureichende Aufklärung wachsen die Slams zu immer größeren Kleinstädten heran und es ist schwer, diese zu kontrollieren, geschweige denn den Leuten aus ihrem Teufelskreis zu helfen. Und leider zieht die Armut oftmals Kriminalität mit sich, welche wir wiedermals zu spüren bekamen.

Auf unserem Weg nach East London machten wir nach einigen anstrengenden Fahrstunden einen Raststopp an einem Fast Food Restaurant in der kleinen Stadt Dutywa. Es wurde bereits dunkel und wir parkten gegenüber des Restaurants, um unser Fahrzeug immer im Blick zu haben. Gerade als wir das Essen bekommen hatten und am Tisch saßen, versammelten sich einige Leute an unserem Camper. Felix wurde misstrauisch und wollte nachsehen was los ist. Durch das Fenster sahen wir, wie Felix plötzlich in Höchstgeschwindigkeit zum Auto sprintete. Zunächst dachten wir uns nicht viel dabei, doch als er fuchtelnd und aufgeregt hinter den vielen Autos hervorkam wurde uns klar, dass etwas nicht in Ordnung war. Wir sprangen auf und eilten ebenfalls zum Auto. Schnell wurde uns bewusst was passiert war, als wir die Splitter unseres Autofensters auf der Straße sahen. Ich war in völliger Panik und versuchte herauszufinden was gestohlen wurde. Mein Laptop, unser GPS-System, das iPhone von Felix, der Rucksack von Sabine und einige andere Dinge waren nicht mehr aufzufinden. Wir waren am Boden zerstört und konnten es nicht fassen, dass wir zum zweiten Mal ausgeraubt wurden. Viele hatten den Überfall beobachtet aber nichts dagegen unternommen. Die Polizei war im wenigen Minuten vor Ort und kurze Zeit darauf saßen wir zum zweiten Mal auf unserer Afrikareise in einem Polizeirevier. Doch dieses Mal hatten wir Glück im Unglück. Denn das GPS Gerät, welches ebenfalls gestohlen wurde war angeschaltet und trackte den aktuellen Standort. Zwei Polizisten, welche mit Maschinengewehren ausgestattet waren, fuhren mit uns zu einem nahegelegenen Slam, von welchem wir das Signal empfingen. Die Stimmung war angespannt und uns wurde untersagt aus dem Auto zu steigen, worüber wir ziemlich erleichtert waren. In der Zwischenzeit versuchten die Diebe das deutschsprachige GPS System auszuschalten, wobei sie einige SOS-Notrufe auslösten. Dadurch hatten wir einen erneuten Trackpunkt, doch den Polizisten gelang es nicht, die Gegenstände in der Dunkelheit aufzufinden. Der kleine Funken Hoffnung war fürs erste erloschen und wir fuhren frustriert zurück zum Revier, wo wir auf dem Parkplatz unser Lager aufschlagen mussten. Passend zu unserer Stimmung gewitterte es die gesamte Nacht und ich glaube so richtig schlafen konnten wir alle nicht. Am nächsten Morgen wurde um 7 Uhr die Suche fortgesetzt. Dieses Mal war ein ganzer Polizeitrupp am Start und nur Felix durfte sie begleiten. Es vergingen Stunden, bis wir vom leitenden Ermittler erfuhren, dass sie etwas gefunden hatten. Und tatsächlich fuhr kurz darauf das Polizeiauto vor, in dem nicht nur Felix, sondern auch ein völlig zugekiffter Mann mit Handschellen saß. Ich konnte es kaum glauben, als Felix einen Großteil unsere Gegenstände aus einer Tasche zog. Sie hatten sämtliche Häuser durchsucht und durch Druck und leider auch Gewalt die Gegenstände wiedergefunden. Es war einfach alles völlig absurd. Auf der einen Seite waren wir noch immer schockiert, auf der anderen Seite waren wir erleichtert über das Wiederauftauchen unserer Sachen.

Wir wollen keinesfalls den Eindruck vermitteln, dass alle Menschen in Afrika arm und kriminell sind. Wir hatten leider erneut das Pech, eine weitere schlechte Erfahrungen machen zu müssen. Doch auch das wird nichts daran ändern, dass wir hier jedem Menschen stets mit Respekt begegnen und weiterhin versuchen, unvoreingenommen vorauszublicken.